Kirche in der Region Mönchengladbach
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Zwei Frauen lernten sich durch die KirchenZeitung kennen

Seit 37 Jahren sind Edith Schultes (l.) und Stephanie Oellers Freundinnen. Humor, Nächstenliebe und Warmherzigkeit bilden das Fundament ihrer Freundschaft.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 30/2014

Eine Brieffreundin für das ganze Leben

Wie sich zwei Freundinnen durch die KirchenZeitung fanden

Seit rund 37 Jahren sind Stephanie Oellers und Edith Schultes befreundet. Dabei lag ihr Leben lang eine Distanz von 307 Kilometern zwischen ihnen. Kennen gelernt haben sie sich 1977 über eine Annonce in der KirchenZeitung.

Ihre Freundschaft schmeckt nach Kirschen. Nicht nach den hellroten, sauren, sondern wie die dunkleren, die mit ihrem süßen Aroma den Gaumen kitzeln und die Seele streicheln. Als die Kirschen reif waren, sind sich Edith und Stephanie zum ersten Mal begegnet. Etwa 1979 war das, zwei Jahre nachdem der erste Brief von Stephanie im Briefkasten von Ediths Elternhaus lag. Was genau in der Anzeige stand, über die sie sich vor 37 Jahren kennen lernten, wissen die beiden Frauen nicht mehr. Aber dass sie erst ein Jahr später als erwartet erschien, das weiß Edith Schultes noch ganz genau.

Als Elfjährige suchte sie eine Brieffreundin. Die KirchenZeitung bot damals den kostenlosen Service für Kinder an, über eine Anzeige neue Freunde zu finden. Allerdings war die Nachfrage hoch, es dauerte ein Jahr bis Ediths Annonce erschien. 1977 war das. „Acht Briefe habe ich darauf bekommen, alle Mädchen waren ein Jahr jünger als ich“, erinnert sich die 48-Jährige. Eines der Mädchen war Stephanie aus Myhl im Kreis Heinsberg. „Ich habe allen geantwortet“, erzählt Edith, mit Stephanie hat sie heute noch Kontakt. Die beiden Mädchen merkten schnell, dass sie einiges gemeinsam hatten. „Meine Eltern hatten eine Nebenerwerbslandwirtschaft“, erzählt Edith. Sie ist mit Tieren aufgewachsen. Schafe, Katzen, Hunde und andere Tiere waren im Dorf ganz selbstverständlich.

 

Durch gegenseitige Besuche haben sie ein Fundament geschaffen

Auch die kleine Stephanie wuchs mit Tieren auf. „Meine Eltern hatten Kaninchen“, erzählt die 48-Jährige. Wenn sie das Fotoalbum mit den Bildern ihrer Kindertage aufschlägt, sind auch Fotos von Edith dabei. Darauf sieht man die damals Zwölfjährige, wie sie sich über einen Zaun beugt, um ein schwarzes Schaf zu streicheln. Dem Foto sieht man die Jahre an, ein leichter Rotstich hat sich über das Bild gelegt. Darunter steht in runder Kinderschrift „Meine Freundin Edith bei ihren Schafen“. Die Tiere waren oft Thema in den Kinderbriefen. „An den Rand der Briefe haben wir Kaninchen, Schafe und Blumen gemalt“, erinnert sich Stephanie. Etwa zwei Jahre nach dem ersten Brief haben sich die Freundinnen zum ersten Mal gesehen.

„Mein Vater und ich waren bei Verwandten in Bayern zu Besuch, auf dem Rückweg sind wir zu Edith gefahren“, erzählt die 48-Jährige. „Damals hat mich die Kirschernte beeindruckt.“ Das Fundament ihrer Freundschaft war gelegt. Bald besuchte Edith ihre Freundin. Fotos von Ausflügen nach Aachen, in Tierparks oder zu Bootstouren erzählen davon. Die erste Liebe, die Hochzeit von Edith, berufliche Veränderungen, Geburtstage, Krisen: All die Jahre nehmen die Frauen Anteil am Leben der anderen – auch als irgendwann der Briefwechsel aufhört. „Wir hatten durch die gegenseitigen Besuche ein Grundlage, so dass wir uns nicht mehr immer schreiben mussten“, sagt Stephanie.

 

Heute kann es vorkommen, dass sie ein Jahr nichts voneinander hören

Heute kann es vorkommen, dass die beiden ein Jahr nichts voneinander hören. „Ich vergesse meistens sogar die Geburtstagskarte“, sagt Edith, die zwei Kinder hat. Ihr jüngster Sohn macht gerade das Abitur. „Aber wenn wir dann miteinander telefonieren oder uns besuchen, ist es so, als ob wir uns immer gesehen hätten“, sagen beide ganz unabhängig voneinander. Wenn man Edith fragt, was sie an Stephanie schätzt, nennt sie deren Humor, ihre Nächstenliebe, die Ehrlichkeit und Offenheit, mit denen sie Menschen begegnet. Fragt man Stephanie, warum sie Edith über all die Jahre zur Freundin hat, erzählt sie von deren Herzenswärme, wie sie mit ihr lachen kann, nennt ihre Bodenständigkeit und Aufgeschlossenheit. „Wir lachen viel miteinander, aber wir können auch über Probleme sprechen“, sagt Stephanie. Und fast wortgleich sagt das auch Edith.

Der Glaube war noch nie Thema zwischen den Freundinnen. „Uns verbinden dieselben Werte von Nächstenliebe und Ehrlichkeit“, sagt Edith Schultes, die in ihrer Heimat Kirchenmusikerin ist und Familiengottesdienste gestaltet. „Allein das ist wichtig.“ „Zu wissen, dass man in der Ferne noch soeine Freundin hat, ist ein schönes Gefühl“, sagt Edith. „Als ich einige Zeit in Frankfurt gearbeitet habe, wohnte ich bei Ediths Eltern“, erzählt Stephanie. „Von der Familie wurde ich ganz selbstverständlich aufgenommen. Ich gehörte dazu.“ Ein Gefühlt, das sie immer wieder spürt, wenn sie zu Edith fährt. Beim letzten Besuch waren die Kirschen gerade reif.

 

Zitiert

"Über Glauben haben wir nie gesprochen. Uns verbinden die Werte der Nächstenliebe und Ehrlichkeit."

Edith Schultes


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 25.07.2014

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