Kirche in der Region Mönchengladbach
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In Hückelhoven diskutierten Mslime und Christen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Bibel und Koran

Die Referenten in der Moschee.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 17/2013

Einblicke in Bibel und Koran

Islamreferent Dieter Griemens moderierte den interreligiösen Dialog in der Moschee in Hückelhoven

Den Gemeinsamkeiten von Bibel und Koran widmete sich in diesem Jahr der interreligiöse Dialog in der Moschee in Hückelhoven.

Zwei Dutzend Besucher konnten Mehmet Yilmaz, Öffentlichkeitsreferent der Moschee, und Dieter Griemens, Islamreferent des Bistums Aachen und Moderator der Veranstaltung, in der Moschee begrüßen. Für sie alle hieß es zunächst, die Schuhe auszuziehen und sich in einem Nebenraum der Moschee noch ein wenig in Geduld zu üben. Denn Mehmet Tosun, islamischer Gelehrter, Dialogbeauftragter des Verbands der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) und einer der Referenten, verrichtete in der Moschee noch sein Abendgebet.
Den Reigen der drei Experten des Abends eröffnete dann Waltraud Baumeister-Hannen, im Katholischen Forum zuständig für die theologische Bildungsarbeit. Sie stellte ihrer Vorstellung der Heiligen Schrift der Christ zwei Zitate zum Thema Licht voran: „Allah ist das Licht von Himmel und Erde“ aus dem Koran (Sure 24,35) und „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade“ aus der Bibel (Psalm 119, 105). Die Referentin präsentierte die Bibel als Sammlung von Schriften, die die Offenbarung Gottes bezeuge, die Selbstmitteilung Gottes, von der die Menschen erzählen. Dieses Zeugnis in rechter Weise zu verstehen, sei Aufgabe der biblischen Hermeneutik, der wissenschaftlichen Auslegung dieser Texte. Dabei sei die Bibel allerdings nicht nur historisch als ein Werk aus ferner Vergangenheit zu begreifen. Sie sei auch ein Buch der Gegenwart. „Ein rein historischer Zugang zur Heiligen Schrift wird ihrem Selbstverständnis nicht gerecht“, betonte Baumeister-Hannen. „Zur Bibel gehört der menschliche Faktor genauso wie der göttliche Faktor. Eines kann man vom anderen nicht trennen“, sagte sie und erinnerte an die Bistumsaktion „Gotteswort am Menschenort“ aus dem Jahre 2009. Gottes Wort lebe nicht nur am Menschenort, es sei Menschenwort „und drückt sich deshalb nicht anders als menschlich aus.“
Anders als die Bibel gelte der Koran, die heilige Schrift des Islam, als die wörtliche Offenbarung Gottes an den Propheten Mohammed und wurde ihm quasi vom Engel Gabriel diktiert, erläuterte Tosun den interessierten Zuhörern. Mohammeds Predigten wurden aufgeschrieben oder auch nur mündlich tradiert. Wichtig sei auch hier die historische Einordnung, also zum Beispiel zu wissen, ob der Inhalt von einem Medinenser in Mekka stamme oder von einem Mekkaner in Medina. Wer diese 25 Besonderheiten nicht kenne, solle sich nicht brüsten, als Gelehrter aufzutreten, zitierte Tosun aus einem Fachbuch und fügte hinzu: „Ich kenne nicht einmal fünf“. Er präsentierte den Besuchern danach Lernhefte, mit denen Kinder beginnen, sich mit dem Koran zu beschäftigen oder Anleitungen für das Rezitieren des Koran.
Der evangelische Pfarrer Frank Mischnik hatte den Teilnehmern eine Bibel in alt-hebräischem Text mitgebracht, dazu aber auch eine „Bibel in gerechter Sprache“ aus dem Jahre 2008, „in der Frauen und Männer gerecht vorkommen.“ Er erläuterte die unterschiedlichen Formen der Bibelauslegung bis hin zur Bibliologie. Dabei schlüpfen die Teilnehmer in Rollen biblischer Gestalten und können so Bibeltexte mit eigenen Lebenserfahrungen ausschmücken. „Wenn ich das Wort Gottes verkünde, lege ich es aus und damit ist es dann das verkündete Wort Gottes“, sagte er. „Das müssen wir als lebendiges Wort ansehen.“
Nach einer Pause, während der die Moschee zu türkischen Tee, kalten Getränken und Gebäck einlud, entspann sich eine intensive Diskussion zwischen Teilnehmern und Referenten. Dabei ging es auch um praktizierten Glauben, ausgehend von den jeweiligen Schriften. „Wer das, was er erlernt hat, praktiziert, dem wird gegeben, was er nicht weiß“, zitierte Tosun den Propheten. „Wir können Gott nicht beweisen“, sagt Baumeister-Hannen. Wichtig sei allein, was Gott mit dem eigenen Leben zu tun habe.


Von Anna Petra Thomas

Veröffentlicht am 28.04.2013

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