Kirche in der Region Mönchengladbach
http://kirche-in-der-region-mg.kibac.de/nachrichtenansicht?mode=detail&action=details&siteid=1030266&type=news&nodeid=6c83fed3-b67d-4fd1-b553-02df80603eaa
 
 
Ausstellung deportiert ins Ghetto in der Jugendkirche Mönchengladbach

In Bildern und Zitaten werden die Geschichten der Nazi-Opfer erzählt. Die Ausstellung gibt ihnen ein Gesicht.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 38/2014

Die Opfer bekommen eine Stimme

Die Ausstellung „Deportiert ins Ghetto“ in der JIM geht den Besuchern unter die Haut

In der Jugendkirche in Mönchengladbach (JIM) ist zurzeit die Ausstellung „Deportiert ins Ghetto“ zu sehen. Sie zeigt das Schicksal von 3014 Frauen, Männern und Kindern jüdischen Glaubens aus dem Rheinland in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz).

Auch die Opfer aus Gladbach bekommen hier ein Gesicht. Ein 14-Jähriger geht noch zur Schule, er freut sich auf sein Fußballtraining oder fährt mit Freunden Skateboard und wünscht sich das neueste Smartphone. 1941 war dieses Alter genau der Zeitpunkt, in dem die meisten Jungen die Volksschule beendeten und in die Lehre geschickt wurden. Für Erwin Moses war es das Alter, in dem er begann, um sein Leben zu kämpfen. Drei Jahre später war er tot. Einen Monat vor seinem 17. Geburtstag wurde er im Vernichtungslager Kulmhof ermordet. Zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester. Erwin ist einer von 3014 Menschen, deren Geschichte in der Ausstellung „Deportiert ins Ghetto“ erzählt wird. Sie alle wurden von den Nazi-Schergen aus dem Rheinland in drei Transporten über den Kölner Bahnhof Deutz-Tief und über den Düsseldorfer Güterbahnhof Derendorf ins Ghetto Litzmannstadt deportiert und von dort schließlich in die Vernichtungslager gebracht. Weil sie Juden waren.

 

In fünf Kapiteln wird das Grauen beschrieben

Die Jugendkirche in Mönchengladbach (JIM) hat die Ausstellung des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorte in NRW nach Gladbach eingeladen. In fünf Kapiteln zeigt sie die Geschichte der Opfer und ihren Leidensweg. Im ersten Teil „Vorgeschichte“ erfahren die Besucher von den Repressalien, denen Juden in Deutschland ausgesetzt waren. Das Berufsverbot, die Stigmatisierung durch Judenstern und Kennkarte mit den Zwangsvornamen Sara für Frauen und Israel für Männer, willkürliche Verhaftungen und die Versuche, Deutschland zu verlassen werden anschaulich beschrieben. Der Besucher wird von hier aus an eine Wand mit Erinnerungsfotos geführt. Die Tapete und die Rahmen der Bilder machen den Eindruck, als handele es sich um Fotografien der eigenen Vorfahren, die liebevoll in Ehren gehalten werden. Mit diesem Gefühl begleitet man die Opfer auf ihrer Fahrt ins Ungewisse (Kapitel 2), man sieht, wie die Menschen im Ghetto lebten, liest lange Listen, in denen akribisch die Transporte festgehalten wurden. Auch der Alltag im Ghetto wird beschrieben. Der Leser nimmt teil an den Briefwechseln zwischen den Ghettobewohnern und Verwandten in der Heimat, die noch nicht deportiert waren.

 

Verwzeifelte Strategien für das Überleben

Mit welch verzweifelten Strategien ums Überleben gekämpft wurde, zeigen die Kapitel „Arbeit oder Vernichtung“ und „Strategien des Überlebens“, in denen dargestellt wird, wie wichtig es war, eine Arbeitskarte zu bekommen, um sich vor dem Transport in die Vernichtungslager zu schützen. Während der Besucher liest, wie alle Kinder im Alter unter zehn Jahren aus dem Ghetto in die Vernichtungslager gebracht werden und ihre Mütter sie begleiten, dringt von draußen lautes Kinderlachen vom benachbarten Kindergarten in die stille Kirche. Ein Moment, der den Besucher das ganze Grauen noch intensiver spüren lässt. Auf einer Leinwand werden die Biografien von Juden aus Mönchengladbach erzählt. Menschen, die in der Stadt gelebt haben und von ihren Nachbarn verfolgt wurden. Von den 3014 Deportierten haben nur 36 den Holocaust überlebt. In Zitaten erzählen sie, was sie erleben und erleiden mussten.

Geöffnet ist die Ausstellung „Deportiert ins Ghetto“ noch bis Freitag, 26. September, mo-sa von 9 bis 18 Uhr, in der JIM, Albertusstraße 38, Infos unter www.forum-mg-hs.de.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 19.09.2014

Test