Kirche in der Region Mönchengladbach
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Die frohe Botschaft in den Alltag der Menschen vermitteln

Nachlese des Diözesanrats zum Tag der Pfarrgemeinderäte 2007

Am 5. Mai hat in Mönchengladbach ein Pfarrgemeinderatstag mit über 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Bistum Aachen stattgefunden.

Hierzu hatte der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen in Kooperation mit der Hauptabteilung Pastoral – Schule – Bildung im Bischöflichen Generalvikariat unter dem Leitwort „Salz der Erde sein.“ eingeladen. Die Aufforderung des Bischofs, bis Ende 2007 Pastoralkonzepte für die Ebene der GvG zu erstellen, gab den inhaltlichen Rahmen des Tages. Franz Michels, Geschäftsführer des Diözesanrats, zieht sein Resümee des Tages unter drei Fragestellungen:

Mit welchen Anliegen hat der Diözesanrat mit zu diesem Tag eingeladen und sind die damit verbundenen Ziele erfüllt worden?

Michels: Als im letzten Jahr die Aufforderung unseres Bischofs bekannt wurde, bis Ende 2007 Pastoralkonzepte für die Ebene der GvG zu erstellen, haben wir das vom Grundsatz begrüßt. Denn die anstehenden Fragen um Finanz- und Personalressourcen lassen sich nur zukunftsorientiert beantworten, wenn Kenntnis und Transparenz besteht, welche pastoralen Herausforderungen sich stellen und welche Antworten die Kirche am Ort hierauf geben will und kann.

Für uns als Laienrat ist es selbstverständlich und unerlässlich, dass an der Entwicklung dieser Konzepte insbesondere die Pfarrgemeinderäte, aber auch darüber hinaus die vor Ort engagierten Laien in Initiativen und Verbänden zu beteiligen sind. Mit dem Tag wollten wir hierzu Informationen und Impulse geben, den PGR ihre Mitverantwortung bewusst machen und zur Einmischung ermutigen.

Auch wenn wir uns auf Grund der Wichtigkeit des Anliegens für die Zukunftsfähigkeit unserer Kirche einen noch größeren Zuspruch an TeilnehmerInnen gewünscht hätten, so hat der Tag doch einen wichtigen Beitrag leisten können. Das Tagesprogramm mit seinen inhaltlichen Impulsen, intensiven Gesprächen in Kleingruppen und Sachinformation durch die Fachstellen der bischöflichen Verwaltung gab vielfältige Anregung, sich gemeinsam mit anderen Akteuren vor Ort auf den Weg zu machen.

Was ist bei der Erstellung der Pastoralkonzepte aus Sicht des Diözesanrats besonders wichtig oder sogar unverzichtbar?

Michels: Aus unserer Sicht stellen sich insbesondere drei Anforderungen bei der Erstellung und auch Umsetzung der Pastoralkonzepte, die uns ein Anliegen sind:

1. Der Blick muss sich zunächst nach außen richten! Ohne eine differenzierte Analyse und Wahrnehmung der Lebenssituation der Menschen im Zuständigkeitsbereich einer GvG und ohne Kontakt und Dialog mit dort vorhandenen Initiativen, Einrichtungen, Verbänden und anderen für die soziale und pastorale Situation relevanten Akteuren besteht die Gefahr, dass wir uns immer weiter nur um uns selbst drehen und die Fragen, Sehnsüchte und Anliegen der Menschen dabei vergessen oder übersehen. Wie dies angegangen werden könnte, ist in einem Beitrag von Wolfgang Huber in unserer aktuellen Ausgabe des „Überblick“ unter dem Aspekt „Situation von Familien wahrnehmen“ entfaltet.

2. Die Qualität und Relevanz der Konzepte wird wesentlich davon abhängen, ob Erstellung und Umsetzung als ein Prozess angelegt sind, der möglichst viele Menschen einbezieht und mit auf den Weg nimmt. Das sind einerseits natürlich alle kirchlichen Akteure. Doch schon da fängt es an vielen Stellen an, schwierig zu werden. Es ist absolut unverständlich und nicht akzeptabel, wenn in GvGs die hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiterinnen alleine das Konzept erstellen wollen; diese wird zum Scheitern verurteilt sein und nach dem 31.12.2007 in der Schublade verschwinden. Doch auch eine Beteiligung des PGR greift zu kurz. Auch oben schon angesprochene Akteure mit sozialer und pastoraler Kompetenz können wichtige Beiträge hierzu leisten, auch in der Umsetzung. Dieser Ansatz hat auch zur Folge, dass die Erstellung und Bearbeitung von Pastoralkonzepten als ständiger Prozess verstanden und angelegt sein muss.

3. Mit den GvGs wird zunächst ein territoriales Gebiet beschrieben, was schnell dazu verführen kann, weiter in (Pfarr-) Gemeindestrukturen zu denken und die von dort bekannten Organisations- und Leitungsstrukturen zu übernehmen. Die Folge ist, wie wir zurzeit vielfach erleben, Überforderung von Haupt- und Ehrenamt, Frust und Rückzug. Nur durch Übertragung von Verantwortung, einschließlich Leitung, auf viele Schultern und die Vernetzung und Koordination der unterschiedlichen Aufgaben und Charismen wird die Kirche ihren Aufgaben unter den heutigen Bedingungen gerecht werden können. Nicht der Kirchturm muss Mittelpunkt des Denkens sein, sondern die Vermittlung der frohen Botschaft in den Alltag der Menschen! Dieser Ansatz erfordert je eigene Antworten und Instrumente je nach örtlicher Situation. Und deshalb ist es so wichtig, sich zusammen mit anderen auf den Weg zu machen und, wie es der Referent Martin Wrasmann am PGR-Tag so anschaulich ausdrückte, wie damals die Israeliten „über den Jordan zu gehen“.

Wie kann und will der Diözesanrat seine Anliegen weiter einbringen und verfolgen?

Michels: Der Diözesanrat verfügt selbst über keine großen Ressourcen, um die Gemeinden und insbesondere die Pfarrgemeinderäte intensiv zu begleiten. Dies ist jedoch in sofern nicht problematisch, als dass wir uns in zentralen Grundanliegen im Konsens mit der Bistumsleitung und den zuständigen Stellen im Generalvikariat sehen.

Bei der Umsetzung hakt es jedoch leider häufig an unterschiedlichsten Stellen. Ein großes Defizit ist sicher, dass sowohl die Verantwortlichen vor Ort wie auch die einzelnen Fachstellen zu wenig geübt sind, in vernetzten Strukturen zu denken, die unterschiedlichen Charismen zu stärken und sich mit anderen auf den Weg zu begeben. Diese Fähigkeiten müssen eingeübt und auch mit entsprechenden Fortbildungen vermittelt werden. Dies gilt es immer wieder neu einzufordern.

Den Schwerpunkt und auch seine Kompetenz sieht der Diözesanrat jedoch in der intensiven Bearbeitung des Arbeitsfeldes „Mitgestaltung von Laien in der Kirche“. Hierzu hat die Vollversammlung auch die Einrichtung einer Werkstatt beschlossen. Denn sowohl das Verständnis von Ehrenamt wie auch der konkrete Umgang mit ihnen ist vielerorts sehr Korrektur- und Verbesserungsbedürftig. Dies betrifft zunächst die Frage nach Förderung und Wertschätzung, dies betrifft aber auch die Fragen nach Mitverantwortung und Kompetenzzuweisung, sowohl für einzelne Aufgaben wie auch das Gelingen des Ganzen. Denn wenn in Gebiet einer GvG z. B. die Nähe zu den Menschen weiter gesichert werden soll oder das Pastoralkonzept an Veränderungen angepasst und weiter entwickelt werden muss, heißt das letztlich: es geht auch um die Frage der Übernahme von Leitungsaufgaben und Verantwortung.

Es gibt nach meiner Überzeugung keine Krise des Ehrenamts, die Erfolge der Freiwilligenagenturen beweisen das Gegenteil, sondern die Krise entsteht durch die mangelnde Bereitschaft oder Fähigkeit vieler Verantwortlicher in unserer Kirche, sich den heutigen Ansprüchen engagierter Menschen zu stellen und sich hierauf einzulassen. Auf dem Weg zu notwendigen Veränderungen wollen wir Anregung und Hilfestellung geben, wenn nötig auch Kritik üben.


Von Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen

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