Kirche in der Region Mönchengladbach
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Jugendkirche JIM schilderte Eindrücke ihres Auschwitz-Besuches

Nur ein Kinderkoffer erinnert an das Waisenkind Hana Fuchs: Miriam Kleen berichtet davon bei der Gedenkfeier.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 06/2015

Dem Entsetzlichen nahegekommen

In der Jugendkirche JIM berichteten Teenager, was der Besuch in Auschwitz in ihnen ausgelöst hat

Noch gibt es Überlebende, deren Erzählungen die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen lebendig halten. Doch wie wird das Erinnern wach gehalten, wenn es die Zeitzeugen nicht mehr gibt? In der Jugendkirche JIM zeigten Jugendliche beim Gedenken an die Befreiung von Auschwitz, wie das gelingen kann.

Hana Fuchs wurde nur acht Jahre alt. Das am 3. Juni 1933  geborene Mädchen war ein Waisenkind, als es in den Gaskammern in Auschwitz umgebracht wurde. Die Nazis gaben ihr die Nummer 645, bevor sie sie ermordeten. Vergessen ist Hana Fuchs nicht. Jeder Besucher des ehemaligen Konzentrationslagers sieht ihren Kinderkoffer, der ganz vorne auf dem Kofferberg liegt. Auch Miriam Kleen hat den Koffer gesehen.

„Drei Tage nach ihrer Ankunft in Auchwitz wurde Hana ermordet“, berichtet Kleen. Sie hat sich schon zuvor in einem Projekt mit dem Schicksal des kleinen Mädchens beschäftigt. „Im ehemaligen Stammlager von Auschwitz bin ich ihr wieder begegnet“, erzählt Kleen. Während sie berichtet, ist auf der großen Leinwand der Kinderkoffer zu sehen. Miriam Kleen ist die erste von drei Jugendlichen, die bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz in der Jugendkirche JIM sprechen.


Gefühle von Wut und Trauer um die Opfer

Im vergangenen Herbst hat eine Gruppe Mädchen und Jungen aus Mönchengladbach das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz besucht. Die Begegnung mit der historischen Stätte des Grauens war für sie eine wichtige Erfahrung, wie das Gedenken zeigt. „Wir sind den Weg von der Rampe zu der so genannten Sauna gegangen“, berichtet ein Mädchen. „Der Weg kam mir unendlich lang vor. Ich fühlte an diesem Ort eine Wut, und gleichzeitig trauerte ich um die Menschen.“

Der Besuch und das Gedenken zeigen das auf, was auch der Halt des Zugs der Erinnerung im März 2011 gezeigt hat: Sobald sich Jugendliche mit den Schicksalen der Nazi-Opfer beschäftigen, werden sie für sie lebendig. „Mit der Ausstellung hat man Gesichter zu der Geschichte und fühlt mit“, sagte damals ein Schüler, der den Zug besuchte. „Das ist nicht so abstrakt wie die Zahlen im Geschichtsunterricht.“

„Aus Mönchengladbach sind 600 Juden rechtzeitig ausgewandert“, sagt Pfarrer Wolfgang Bußler in seiner Ansprache. „600 wurden deportiert, keine zehn haben überlebt.“ Wäre Gladbach der einzige Ort, an dem diese Verbrechen geschehen wären, wären die Zahlen der Opfer für die Teenager sicher vorstellbar. Aber wie können sie begreifen, dass in Deutschland sechs Millionen Juden den Tod fanden – in einer industriell durchorganisierten Todesmaschine?

Das Treffen mit einem Überlebenden hat Robin nachhaltig beeindruckt. „,Dies ist ein deutsches KZ mit nur einem Ausgang durch den Schornstein’, hat man zu Karol gesagt“, berichtet der Schüler. Das schlimmste Erlebnis des Überlebenden sei die Selektion der Kinder gewesen. „Die mussten unter einer Höhenbegrenzung durchgehen. Wer darunter durchpasste, wurde vergast“, sagt Robin. In der Kirche ist es ganz still. Jeder weiß, dass der zitierte Zeitzeuge Karol damals selbst noch ein Kind gewesen sein musste.


Die Betroffenheit und das Erschrecken sind zu spüren

Bei der Begegnung sei ihm klar geworden, sagt Robin, was der Überlebende Max Mannheimer mit den Worten „Ihr tragt nicht die Verantwortung für das, was geschehen ist, wohl aber dafür, dass es nicht wieder geschieht“ meine. „Ich finde es gut, dass bei Euch die Betroffenheit und das Erschrecken über das, was vor über 70 Jahren passiert ist, noch zu spüren ist“, sagt Rolf Hock, Vorstand der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Gemeinsam mit der Jugendkirche hatte die Gesellschaft zu der Gedenkstunde eingeladen.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 04.02.2015

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