Kirche in der Region Mönchengladbach
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Reportage über die Arbeit der Freiwilligenzentren im Bistum Aachen

In der Beratung von Interessenten liegt ein Schwerpunkt der FWZ.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 03/2014

Das Ehrenamt wird gebraucht

Die Freiwilligenzentren beraten, begleiten und vermitteln – doch ihre Arbeit wird immer schwieriger

Einerseits wissen die Kommunen um den Wert der Arbeit in den Freiwilligenzentren (FWZ) für ihre Gemeinden. Andererseits herrscht Ebbe in den Stadtkassen und Zuschüsse werden gekürzt. Ein Einblick in ein Dilemma.

Schon im Eingang des Pe 12, eines Jugendheims in Mönchengladbach, kitzelt einen der verlockende Duft von Tomatensoße in der Nase. In der kleinen Zubereitungsküche umringen Mädchen und Jungen Petra Schmitz, die gerade einen Rührstab in den großen Topf taucht. „Jetzt das Ganze pürieren“, sagt sie, und jeder, der will, darf einmal auf den Knopf drücken und den Stab durch die rote Masse ziehen. Seit vier Monaten kocht die 50-Jährige zweimal in der Woche mit den Kindern im Pe 12. Sie macht das ehrenamtlich. Den Kontakt zur Leitung des Jugendheims hat das Freiwilligenzentrum der Caritas in Mönchengladbach vermittelt. Sieben der acht FWZ im Bistum Aachen sind in der Trägerschaft der Caritas. Das FWZ Mönchengladbach betreut rund 80 gemeinnützige Einrichtungen in der Region, die Ehrenamtliche für verschiedene Aufgaben suchen.

 

Intensive Beratung ist das Kernstück der Arbeit

Rund 300 offene Angebote für freiwilliges Engagement hat allein das FWZ Mönchengladbach derzeit im Angebot. Von der Begleitung alter Menschen bis hin zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen oder dem Engagement in interkulturellen Projekten reicht die Palette. Neben der Engagementberatung und -vermittlung für Freiwillige werden Einrichtungen bei der Koordination und der Betreuung Ehrenamtlicher beraten. Zudem gehören Veranstaltungen zur Information und zum Erfahrungsaustausch sowie die Zusammenarbeit in Netzwerken und die Organisation von Projekten zum FWZ-Portfolio.

Die Nachfrage ist groß: 200 Beratungen führen die zwei Mitarbeiterinnen in Mönchengladbach pro Jahr durch. Dabei umfasst eine Beratung in der Regel mehrere Gespräche mit dem Interessenten, um herauszufinden, wo seine Interessen liegen und in welcher Einrichtung seine Fähigkeiten für beide Seiten nutzbringend eingesetzt werden können. „Die Beratung ist erst dann abgeschlossen, wenn jemand zwei- oder dreimal in der Einrichtung war und dort angekommen ist“, sagt Tanja Kulig, Leiterin des FWZ Mönchengladbach.

 

Die Stadt schafft optimale Rahmenbedingungen

Vor drei Jahren hat das FWZ in Mönchengladbach eine Dependance aufgemacht, um das Beratungsangebot zu erweitern. Einmal pro Woche wird dort die Beratung angeboten. Gestemmt wird die Arbeit von zwei Teilzeitkräften. Dabei kreieren Tanja Kulig und ihre Kollegin auch weitere Projekte und werben dafür Fördermittel ein. So stocken sie ihre Teilzeitstellen auf. Die Unterstützung der Stadt Mönchengladbach ist dabei nicht nur finanziell, sondern auch tatkräftig. „Ein Großteil des gesellschaftlichen Lebens in einer Stadt würde ohne ehrenamtliches Engagement gar nicht funktionieren“, betont Pressesprecher Dirk Rütten.

Als Pilotkommune hat Mönchengladbach als eine der ersten Städte NRWs die Ehrenamtskarte eingeführt, mit der überdurchschnittlich hohes ehrenamtliches Engagement gewürdigt wird. Eine Mitarbeiterin der Stadt ist die zentrale Ansprechpartnerin für ehrenamtliches Engagement und schafft auf kommunaler Ebene die Rahmen- bedingungen. Startschuss dafür war die Teilnahme an dem Projekt „Zukunftsfaktor Bürgerengagement“ des Forschungsinstituts Geragogik (FoGera). Zum Start hat das Familienministerium NRW den Austausch und die Vernetzung von zehn Pilotkommunen unterstützt. Gleichzeitig wurde die Entwicklung von lokalen Engagementsstrategien angeregt und begleitet.

 

Vernetzung ist das große Thema der Zukunft

„Es ist klasse, wenn eine Stadt das Thema wichtig findet und die Träger der freien Wohlfahrtspflege so unterstützt“, sagt Margret Rutte vom Caritasverband für das Bistum Aachen. Rutte begleitet und berät die Freiwilligenzentren bei ihrer Arbeit. Allerdings gebe es auch Städte, die zwar Freiwilligenzentren als gut bewerten, sie aber nicht unterstützen und die Aufgaben selbst übernehmen wollen. „Unsere Zukunft wird sich in Netzwerken gestalten“, ist Rutte überzeugt. „Eine Stadt muss sich gut überlegen, wie sie sich aufstellt zu dem Thema. Auch wir werden nichts mehr alleine machen, sondern mit Partnern arbeiten.“Ein Punkt, den auch Petra Mahr vom Büro für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement der Stadt Aachen so sieht. Allerdings wehrt sie sich gegen den oft erhobenen Vorwurf, wegen des Büros seien die Zuschüsse für das Freiwilligenzentrum in der Bischofsstadt gekürzt worden. „Unser Büro ist 2008 installiert worden, die Kürzung der Mittel hat damit nichts zu tun“, betont Mahr.

2011 sind die Zuschüsse für die beiden Freiwilligenzentren der Caritas sowie des Roten Kreuzes und der Arbeiterwohlfahrt in Aachen um die Hälfte gekürzt worden. Das sei im Rahmen des Haushaltssanierungsplanes geschehen, sagt Mahr. „Wir stehen nicht in Konkurrenz zu den Freiwilligenzentren, weil wir einen ganz anderen Ansatz haben.“ Während das FWZ die persönliche Beratung und passgenaue Vermittlung der Interessenten in den Mittelpunkt stelle, sei das Bürgerbüro Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Thema. „Nicht nur für Ehrenamtler, sondern auch für Vereinsaktive, Vereinsgründer und Organisationen, die Ehrenamtliche suchen“, sagt Mahr. Das Bürgerbüro stelle lediglich die Plattformen dafür zur Verfügung.

 

Ehrenamtliche Arbeit beginnt an der Basis

Darüber hinaus bringe das Bürgerbüro Organisationen zusammen, die ähnliche Zielrichtungen haben, aber nichts voneinander wüssten, sagt Mahr. So sei beispielsweise das Aachener Mentorennetzwerk ins Leben gerufen worden. Auch den Aktionstag der Aachener Vereine organisiert das Bürgerbüro. 170 Vereine haben hier die Möglichkeit, ihre Arbeit der Öffentlichkeit vorzustellen und sich untereinander kennenzulernen. Auf diese Weise könnten Synergien genutzt werden, sagt Mahr.

Freiwilliges Engagement beginnt auch im FWZ schon an der Basis, wie das Beispiel in Jülich zeigt. Als 2003 die Fördermittel ganz gestrichen wurden, führten die Ehrenamtlichen die FWZ-Arbeit fort. „Ende 2012 schied einer von uns aus, jetzt sind wir zu viert“, berichtet Karl Lohmer. Das Angebotsspektrum geht über die Beratung hinaus. 2014 soll ein virtueller Marktplatz installiert werden.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 17.01.2014

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