Kirche in der Region Mönchengladbach
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In Mönchengladbach verzichtete die Gemeinde Herz Jesu Pongs geschossen auf das Auto

Gerade im Frühling macht das Fahrradfahren wieder richtig Spaß. Jojo Schmitz genießt dabei den Komfort ihres neuen Fahrrads.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 14/2015

Das Auto bleibt in der Garage

Gehe ich zu Fuß oder nehme ich das Fahrrad? Die Gemeinde Herz Jesu Pongs ist in Bewegung

Die Mönchengladbacher Gemeinde Herz Jesu Pongs macht beim Autofasten mit. Weil es zusammen mehr Spaß macht, haben sich die Mitglieder ein Ziel gesetzt: 2000 Auto-Kilometer sollen insgesamt eingespart werden. Nicht nur die Umwelt profitiert von der Aktion.

Michael Schicks geht mit gutem Beispiel voran: Wenn der Leiter der GdG Rheydt West zwischen den Gemeinden unterwegs ist, nutzt er das Fahrrad. Der Geistliche ist ein guter Werbeträger für die Aktion Autofasten in der Gemeinde: Alles an ihm strahlt Lebensfreude aus. Kein Wunder, dass sich 15 Teilnehmer aus der GdG Rheydt West der Aktion angeschlossen haben, gemeinsam 2000 Auto-Kilometer einzusparen. Das entspricht der Strecke von Rheydt zum Wallfahrtsort Santiago de Compostela. Die Akteure haben sich ordentlich ins Zeug gelegt: Das 2000-Kilometer-Ziel ist längst überschritten. Am Ende der Fastenzeit werden die Pongser die doppelte Kilometerzahl auf ihrem Fastenkonto haben.
Rund 300 Kilometer gehen dabei auf das Konto von Anne Purrio. Die 44-Jährige ist in diesen Tagen vermehrt mit dem Fahrrad unterwegs. „Für kleine Strecken habe ich schon früher das Fahrrad genommen“, sagt sie. „Aber jetzt nehme ich es auch für längere Strecken.“ Auch schlechtes Wetter hindert sie nicht daran, sich für den Drahtesel zu entscheiden. Einzige Ausnahme: Der Großeinkauf für die sechsköpfige Familie wird weiter mit dem Auto absolviert. „Das kann ich mit dem Fahrrad nicht leisten“, sagt Purrio.

Die vierfache Mutter hat auch ihren Mann und die älteste Tochter für das Autofasten gewonnen. Während der Arzt den Weg zu seiner Praxis in Erkelenz gerne mal mit dem Fahrrad zurücklegt, strampelt die Tochter zu ihrer Ausbildungsstelle in eine Gladbacher Klinik. Auch die zwei jüngsten Kinder fahren jeden Tag mit dem Rad zur Schule. „Aber erstens haben sie noch keinen Führerschein und zweitens nehmen sie für den Weg sowieso das Rad“, sagt die Mutter. „Da wird also nichts gespart. Deshalb zählt das nicht.“


2000 Kilometer sollten eingespart werden

Dass ihr das Autofasten weit mehr bringt als den Stolz auf ein paar zurückgelegte Kilometer, hat Anne Purrio in den vergangenen Wochen schon oft gemerkt. Sie liebt die Stille, die mit dem Fahrradfahren besonders in den Abendstunden verbunden ist. „Donnerstags haben wir die Kirche abends auf“, sagt sie. „Dann dauert die Messe bis 22 Uhr.“ Bis alle Kerzen gelöscht sind und sie sich auf den Heimweg macht, geht eine weitere Viertelstunde ins Land.

Der Weg nach Hause führt über eine zugige Autobahnbrücke. „Aber ich genieße die Fahrt mittlerweile“, sagt Purrio. Für ihre Sicherheit hat sie sich extra eine Schärpe aus leuchtend orangem Stoff genäht, so dass sie von Autofahrern gut gesehen wird. Ein Bleiband im Saum sorgt dafür, dass die Schärpe am Körper bleibt und nicht im Wind flattert. „Was mir aber gerade tagsüber auffällt: Gerade bei schönem Wetter fahren die Autofahrer immer rabiater“, sagt Purrio. „Letztens hätte mich einer fast erwischt.“ Trotzdem macht ihr das Fahrradfahren weiter Spaß.

Auch Jojo Schmitz holt jetzt öfter das Fahrrad aus der Garage. Jeden Morgen legt sie die acht Kilometer zu ihrer Arbeitsstelle damit zurück. „Es trifft sich gut, dass ich vor der Fastenaktion gerade ein neues Fahrrad bekommen habe“, freut sich die 54-Jährige. Jeden Abend führt sie Buch über ihre eingesparten Autokilometer. Rund 200 Kilometer stehen schon auf ihrem Konto. In den vergangenen Wochen hat Schmitz neben den Umweltaspekten noch andere Vorteile ihrer neuen Gewohnheit kennengelernt. „Ich finde es sehr schön, dass ich mich auf dem Weg gedanklich auf die Arbeit einstimmen kann“, sagt sie. „Im Auto ist das nicht so möglich.“ Auch nach Arbeitsschluss bietet die kurze Radtour Gelegenheit abzuschalten. „Ich komme erholter nach Hause“, stellt Schmitz fest.


Der Verzicht auf das Auto entschleunigt das Leben

„Mit zunehmendem Alter werde ich unbeweglicher“, stellt die 54-Jährige fest. „Das Autofasten trägt dazu bei, dass ich mehr Spaß an der Bewegung habe und fitter werde.“ Das merkt Schmitz unter anderem daran, dass sie Steigungen, an denen sie früher ihr Rad hochschob, heute ganz sportlich in einem Schwung nimmt. Und noch etwas ist ihr aufgefallen: „Wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, hat man immer wieder Blickkontakt mit anderen Leuten“,erzählt Schmitz. „Den haben Sie als Autofahrer nicht.“ Besonders an Kreuzungen fällt ihr auf, dass und wie die Menschen aufeinander achten.

Mit einer ganz anderen Erfahrung wartet Harald Winkels auf. Das Auto des 51-Jährigen bleibt in der Garage, weil Winkels jetzt auch längere Wege zu Fuß zurücklegt. Mit einer Strichliste hält er fest, wie oft er unterwegs war. Jeder Strich steht für vier Kilometer. Über 30 Striche sind da zu sehen. „Bei einem Weg von 20 Minuten kann ich mal meinen Gedanken nachhängen“, sagt er. „Es stellt sich so eine geistige Ruhe ein.“

Kleiner Nebeneffekt: Die Entschleunigung des Alltags bringt ein Mehr an Zeit. „Man denkt immer, dass man aus Zeitmangel das Auto nehmen sollte“, weiß der 51-Jährige. „Aber dann merkt man, dass man die Zeit hat. Mit dem Auto setzt man sich nur mehr unter Druck.“ Jetzt plant er den Fußweg im Terminkalender mit ein und siehe da: „Komischerweise habe ich die Zeit dafür“, stellt Winkels fest. Über ein gut sichtbares Plakat an der Ampelkreuzung vor der Kirche Herz Jesu Pongs, per Handzettel und mit einem Aufruf auf der Homepage der GdG Rheydt West hat das Pastoralteam die Gemeinde zum Mitmachen animiert. „Jeder konnte sich im Internet bei der Aktion selbst anmelden und dann seine Kilometer eintragen“, erzählt Gemeindereferent Roland Weber. Anhand eines Barometers können die Teilnehmer ablesen, wie viel sie schon geschafft haben. Ehrensache, dass Weber als gutes Beispiel voran geht und selbst oft in die Pedale tritt. „Für uns ging es darum, als Christen das zu schützen, was uns wichtig ist: die Schöpfung“, sagt er zur Motivation. Noch einen anderen Grund hat das Team: Mit dieser Aktion erreicht die Gemeinde auch Menschen, die nicht mehr in die Kirche gehen.

www.autofasten-im-bistum-aachen.de

 

Zitiert

"Mit dem Auto setzt man sich nur mehr unter Druck. Man denkt immer, dass man keine Zeit hat. Komischerweise hat man sie."
Harald Winkels (51) geht jetzt zu Fuß zum Einkauf


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 31.03.2015

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