Kirche in der Region Mönchengladbach
http://kirche-in-der-region-mg.kibac.de/nachrichtenansicht?mode=detail&action=details&siteid=1030266&type=news&nodeid=2250656d-16d2-4176-a632-7ba1f7e273a5
 
 
Andreas Hülsen in einer Werkstatt des Volksvereins.

Auch wenn sein Vertrag in vier Wochen ausläuft, sieht Andreas Hülsen (r.) positiv in die Zukunft. Er schätzt, was Menschen wie Pascal Ehlert in den Werkstätten des Volksvereins leisten.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 37/2011

Bedrängte Helfer

Der Volksverein braucht Spenden, um seine Arbeit zu finanzieren

Der Gesetzentwurf zur Leistungssteigerung der arbeitspolitischen Instrumente der Bundesregierung vom 6. April 2011 lässt die Führungsriege des Volksvereins mit Sorgen in die Zukunft sehen.

Sollte das Gesetz verabschiedet werden, dann werden die öffentlichen Zuschüsse drastisch gekürzt. Dem Volksverein stünden rund eine Millionen Euro weniger für seine Arbeit zur Verfügung. Das hat vor allem für Langzeitarbeitslose Folgen.

 Andreas Hülsen wird sich nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen müssen. Seit zwei Jahren hat der 52-Jährige beim Volksverein eine 50-Prozent-Stelle. Sein befristeter Vertrag läuft in drei Wochen aus. Die Geschäftsführung des Volksvereins würde seinen Vertrag gerne verlängern, aber dafür fehlt das Geld. Andreas Hülsen bleibt nur sein Zweitjob auf 400-Euro-Basis.

„Für mich bedeutet das, dass ich zum Arbeitsamt gehen muss“, sagt Hülsen. Beim Volksverein ist er für das Controlling der Zahlungen vom Job-Center für die Teilnehmer der Beschäftigungs-, Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen verantwortlich. Zudem gehört er zu einem Arbeitskreis, der Konzepte für die weitere Strategie des Volksvereins entwickelt. Schon einmal musste Hülsen den Gang zum Arbeitsamt antreten. Das war 2006, als ihn ein bekannter Schokoladenhersteller nach 22 Jahren entließ.

„Schon im vergangenen Jahr konnten wir drei Mitarbeiter nicht weiter beschäftigen“, bedauert Hermann-Josef Kronen, Geschäftsführer beim Volksverein. „In diesem Jahr werden drei weitere befristete Verträge nicht verlängert.“ Derzeit arbeiten noch 21 hauptamtliche Mitarbeiter als Sozialpädagogen, Meister in den Werkstätten, in der Geschäftsführung und der Verwaltung. „Alles steht auf dem Prüfstand“, sagt Kronen. Er klingt müde, wenn er spricht. Die Anspannung dieser Tage ist ihm anzumerken.

 

Die öffentlichen Zuschüsse wurden nochmals um 50 Prozent gekürzt

Bei seinen Projekten muss der Volksverein zunehmend auf Wirtschaftlichkeit achten, um die Angebote für Langzeitarbeitslose finanzieren zu können. „Besonders für die Teilnehmer ist das schlimm“, glaubt Andreas Hülsen. Der 52-Jährige schaut trotz allem positiv in seine Zukunft. In seinem ersten Berufsleben war er Manager und verantwortlich für die Büro-Infrastruktur seines früheren Arbeitgebers in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er ist es gewohnt, sich Problemen zu stellen und Lösungen zu suchen. „Vielen unserer Teilnehmer geben die Angebote des Volksvereins eine Struktur und Halt“, beobachtet Hülsen immer wieder. „Mit ihrer Arbeit haben sie Erfolg und bekommen Anerkennung.“

Zum Beispiel in der Produktion des Rapsöls, das von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) sowie der Gourmet-Zeitschrift „Der Feinschmecker“ mehrfach ausgezeichnet wurde. Aber der Preis für den Raps ist in den vergangenen Monaten um knapp 30 Prozent angestiegen. „Wir werden den Preis für das Öl anheben müssen“, sagt Kronen.

Auch im Bereich Bildung und Beschäftigung wird wohl gekürzt werden müssen. „Über drei Jahre gestaffelt sind die Zuschüsse schon um 45 Prozent zurückgegangen“, sagt Kronen. „Zusätzlich wird im zentralen Bundesgesetz niedergeschrieben, dass die Mittel nochmals um 50 Prozent gekürzt werden.“ Der Höchstsatz für einen Teilnehmer wird dann 150 Euro betragen. Davon gehen 30 Euro für die Verwaltung ab, der Rest wird für den erhöhten Anleitungsbedarf verwendet. „Bildung und Sozialpädagogische Begleitung werden in dem Gesetzentwurf gar nicht mehr erwähnt“, sagt Kronen.

 

Eine Rentabilitätsrechnung wird für jeden Bereich gemacht

Schon mit den Kürzungen vom vergangenen Jahr hat der Volksverein begonnen, sich auf die veränderten Verhältnisse einzustellen. „Wir haben im November eine öffentlich geförderte, externe Potenzialberatung engagiert“, sagt Kronen. Ein Ergebnis daraus ist, dass der Volksverein an der Limitenstraße einen neuen Second-Hand-Laden eröffnet hat, der auf Kleidung, Spielzeug und Gebrauchsartikel für Kinder spezialisiert ist. „Den Laden an der Wilhelm-Schiffer-Straße haben wir geschlossen, weil er nicht rentabel war“, sagt Kronen.

Die Rentabilitätsrechnung wird nun für jeden Bereich gemacht, auch für die Schulkioske und die Holzwerkstatt. Für den Volksverein ist das ein schwieriger Spagat. Denn sein Ziel ist es, die Teilnehmer in erster Linie zu beschäftigen und zu qualifizieren. Vieles, was in einem normalen Wirtschaftsbetrieb maschinell gemacht wird, ist hier noch Handarbeit. Dazu kommt die hohe Mitarbeiterfluktuation, die durch die durchschnittlich nur fünf Monate dauernde Teilnahmedauer an den Beschäftigungsmaßnahmen entsteht. „2,2 mal im Jahr schlägt die Mitarbeiterzahl einmal um“, rechnet Kronen vor. „Damit geht auch immer wieder Know-How verloren.“ Mehr denn je wird der Volksverein in Zukunft auf Spenden angewiesen sein, um seine Arbeit fortzusetzen. Die sind in den vergangenen Jahren recht stabil geflossen: Um die 300 000 Euro weisen die Geschäftsberichte seit 2005 jedes Jahr aus. Der Betrag soll durch strategische Kampagnen noch erhöht werden. Eine davon ist die Werbung um Ausbildungpaten, mit deren finanzieller Hilfe zwei weitere Ausbildungsplätze unterhalten werden sollen.

 

www.volksverein.de

 


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 09.09.2011

Test