Kirche in der Region Mönchengladbach
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In acht Monaten sollen die Bauarbeiten in der Citykirche abgeschlossen sein.

Steinmetz Marco Kallies probiert die Wirkung verschiedener Wandmuster aus.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 05/2013

Baustelle Citykirche

Bohrer-Krach und Hammerschläge statt Orgelklängen und Kunst

Der Altar ist mit Folien verpackt, der Tabernakel unter dem Grauschleier des Baustaubs nur verschwommen zu sehen, der Kirchenraum bis unter die Spitzgewölbe eingerüstet. Die Sanierungsarbeiten in der Citykirche laufen auf Hochtouren. Ein Besuch auf der Baustelle.

Der Bohrhammer dröhnt durch das Kirchenschiff, auf dem Boden hinterlässt jeder, der durch den Raum geht, Fußspuren. Eine zentimeterdicke Staubschicht hat den Innenraum der Citykirche überzogen. Hier und da stehen Stapel von Säcken mit Trass-Kalk-Mörtel, der im Laufe der kommenden Monate auf Böden und Wänden eingesetzt werden wird. Das Klopfen eines Knüpfels auf ein Scharriereisen dröhnt durch die Luft. Steinmetz Marco Kallies kniet vor einem Stück Betonwand, in das er grafische Muster schlägt, Musterproben für die Wandgestaltung der Außenanlage an der Südseite. Dort werden die neuen Sanitär- anlagen der Citykirche installiert.

„Die Wand soll dann gut zu der Kirchenmauer passen“, sagt Vorarbeiter Thomas Schäfer. Kallies arbeitet gerade am zweiten Muster für die Wand. Der erste ist den Steinmetzen zu flach und langweilig. Auch der Versuch mit einer ganz glatten Fläche ist genauso durchgefallen, wie der mit der gespritzten Natursteinstruktur. „Der eine ist zu einfach, der andere zu unruhig“, sagt Schäfer. Der Vorarbeiter arbeitet derweil in der ehemaligen Marienkapelle, die vor der Sanierung als einer der Eingänge in das Gotteshaus genutzt wurde. Noch ist in der Marienkapelle der Boden aufgerissen, die Steine liegen aufgestapelt in einer Ecke, die Tür ist geschlossen, die Fenster sind noch verhangen. Eine Baustellenlampe bringt Licht in die Dunkelheit.

„Hier werden die Cityseelsorger ihr Büro bekommen“, sagt Pastoralreferent Wolfgang Funke. Er hat in den vergangenen Jahren die Citykirche mit seiner Arbeit geprägt. Die Sanierung ist sein letztes großes Projekt, bevor er im September verabschiedet wird. Seine Stelle wurde in zwei halbe Stellen aufgeteilt. Zum 1. Januar haben Funkes Nachfolger Annette Diesler und Hans-Willi Hauser ihren Dienst aufgenommen.

 

Wo jetzt noch Steine und Schutt liegen, wird bald ein Büro sein

Die Blindfenster werden durch richtige Fenster ausgewechselt, damit Tageslicht in das zukünftige Büro fließen kann. Die Kirchentür bleibt zwar erhalten, wird aber geschlossen und von innen mit einem Schrank verstellt werden. Neben den Arbeitsplätzen für die Cityseelsorger ist hier auch ein abgeschirmter Bereich für vertrauliche Gespräche geplant.

Hier und da ragen Kabel und Kabeltunnel aus dem Boden. „Die Leitungen für Heizung und Technik sind alle verlegt“, freut sich Funke. Weil während der Arbeiten archäologisch interessante Funde gemacht wurden, die Aufschluss über die Geschichte der ältesten Kirche Gladbachs geben, haben sich die gesamten Arbeiten um etwa drei Monate verzögert. „Das ist aber auch o.k. so“, findet Funke. Immerhin sind alte Bodenplatten und Schichten, die auf eine frühere Bebauung deuten, freigelegt worden. Einige der Ausgrabungsstellen werden auch nach der Sanierung weiter sichtbar bleiben: Sie werden beleuchtet und mit Glas abgedeckt.

Während es auf dem Kirchenboden laut ist, herrscht in luftiger Höhe Stille. Auf dem Gerüst hat Sven Hartmann seinen Arbeitsplatz. Der Maler und Lackierer säubert mit einem Schwamm die Säulen. Über die Jahre hat sich hier eine Schicht Russ aufgelegt. Die Kirche wird sich bei ihrer Eröffnung wesentlich heller präsentieren als die Mönchengladbacher sie in Erinnerung haben. Das wird nicht nur auf die Reinigung zurückzuführen sein. Auch die Wände werden frisch gestrichen und die Fenster sind repariert und gesäubert worden.

Die Reparatur und Aufbereitung der Fenster von Joachim Klos hat die Tochter des 2007 verstorbenen Künstlers übernommen. Das älteste Fenster des Glaskünstlers in der ehemaligen Hauptpfarr- kirche war der erste größere Auftrag für den Künstler. Insgesamt zeigen die Fenster die Entwicklung des Künstlers vom Jahr 1958 bis 2000. „Das ist etwas Besonderes in diesem Haus“, findet Funke. Immer wieder finden ausgedehnte Gespräche mit den Architekten statt, um einige Aspekte der Sanierung zu bespre- chen. Zurzeit beschäftigt die Macher, wie die Citykirche noch besser an den Alten Markt angebunden werden kann und so die Verbindung zum Stadtleben optimiert wird – auch optisch.

An den im November vergangenen Jahres vorgestellten Plänen wird sich aber nichts Grundsätzliches ändern. Nach wie vor soll die Kirche sowohl für das Gebet zur Verfügung stehen als auch für kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen. Deshalb wird neben dem Büro der Cityseelsorger ein Versammlungsraum mit Küchenzeile eingerichtet. Ihm gegenüber werden die Besucher einen Infostand finden.

 

Für den Präsenzdienst werden zurzeit neue Ideen entwickelt

Neu wird auch ein Präsenzdienst sein, für den sich nach einem Aufruf 15 Frauen und Männer gemeldet haben. Die arbeiten gerade ein Konzept für Führungen aus. „Angedacht sind besondere Angebote für Kinder, historische Führungen oder Besichtigungen des Dachgewölbes“, sagt Funke. Dabei müssen die Gäste nicht sportlich die Kirchenhöhe erklimmen, sondern bringen Isomatten mit, auf die sie sich so legen, dass ihr Blick direkt in das Gewölbe führt. „Die Ideen für den Präsenzdienst entwickeln sich zurzeit aus den verschiedenen Ideen der Leute“, sagt Funke. Nicht nur der Präsenzdinest arbeitet an neuen Ideen. Für den Altarraum entwickeln Studenten der Hochschule Niederrhein einen besonderen Stoff, der den Altarraum für Gottesdienste abgrenzen soll.


Von Garnet  Manecke

Veröffentlicht am 31.01.2013

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