Kirche in der Region Mönchengladbach
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Der Volksverein in Mönchengladbach gibt die Möbelproduktion wegen Unwirtschaftlichkeit auf

Seit 2010 haben zwölf junge Frauen und Männer einen Ausbildungsvertrag beim Volksverein erhalten.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 05/2016

Aufgeben ist die allerletzte Option

Die Möbelproduktion beschert dem Volksverein Mönchengladbach jedes Jahr ein großes Defizit

Nach dem Tod von Edmund Erlemann, Gründungsmitglied und wichtigste Identifikationsfigur des Volksvereins Mönchengladbach, verkündete die Geschäftsführung, dass 2016 die Möbelproduktion eingestellt wird. Der Grund: Die Abteilung arbeitet nicht wirtschaftlich.

Ist das das Ende vom Traum eines Sozialunternehmens? Seit die öffentlichen Zuschüsse weggefallen sind, arbeitet die Schreinerei defizitär. Jährlich beschert sie der Volksverein-Bilanz ein dickes Minus von 100000 Euro. Wo liegen die Gründe dafür? Ist es vielleicht doch nicht möglich, ein Unternehmen mit Mitarbeitern zu führen, die zum Teil einen erheblichen Betreuungsbedarf haben? Von denen manche vermutlich nie mehr eine feste Arbeitsstelle bekommen – sei es aufgrund ihrer fehlenden Ausbildung oder weil sie mit psychischen Problemen oder Sucht zu kämpfen haben?

 

Unternehmen wollen helfen

„Sicher hat es hier und da Qualitäts- und Servicemängel gegeben“, sagt Geschäftsführer Hermann-Josef Kronen. Dennoch sieht er den Grund für die prekäre finanzielle Lage nicht bei den Mitarbeitern. „Uns ist es nicht gelungen, genügend Aufträge zu generieren“, sagt er. Und wie bei jedem anderen Unternehmen auch, kommt nur darüber Geld in die Kasse. Doch aufgeben will der Volksverein auch in dieser Situation nicht. Seit die Schwierigkeiten öffentlich wurden, haben sich bei der Geschäftsführung Menschen und Unternehmen gemeldet, die helfen wollen. „Es gibt Unternehmen, die anfragten, ob man etwas zusammen machen könne“, sagt Kronen. Näheres will er noch nicht sagen, erst wenn alles in trockenen Tüchern ist. Immerhin geht es um Arbeitsplätze: Im Anleitungsbereich sind drei Stellen bedroht, dazu fünf Teilnehmerplätze und bis zu sechs Ausbildungsstellen. Besonders für die Auszubildenden wird eine Lösung gesucht. „Ein Unternehmen hat einen Praktikumsplatz angeboten, mit der Option, dass der Jugendliche seine Ausbildung dort zu Ende machen kann“, sagt Kronen.

 

Kürzungen führten zu neuen Geschäftsideen

Von den fortlaufenden Kürzungen der öffentlichen Zuschüsse in den vergangenen Jahren haben sich die Verantwortlichen nie entmutigen lassen. Sie haben sich neue Geschäftsfelder erschlossen, um selbst Geld zu verdienen. Und die Langzeitarbeitslosen leisten gute Arbeit. Das trägt Früchte: 33 Prozent der Menschen, die aus den Qualifizierungsmaßnahmen des Volksvereins ausgeschieden sind, konnten in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden. Auch das Ausbildungsprogramm hat gefruchtet: Seit 2010 erhielten zwölf junge Menschen einen Ausbildungsvertrag. Finanziert wurden die Stellen von 130 Ausbildungspaten. Die Auszubildenden haben ihre Prüfungen vor der Handwerkskammer mit guten Noten abgeschlossen und ebenfalls einen Job gefunden – trotz ihrer Startschwierigkeiten in der Arbeitswelt. „Wir werden auch in Zukunft nach Möglichkeiten für die Leute suchen“, sagt Kronen.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 27.01.2016

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