Kirche in der Region Mönchengladbach
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Stationsleiter Axel Ophüls auf der neuen Intensivstation des St-Franziskus-Krankenhauses Mönchengladbach

„Auch Patienten, die im Koma liegen, bekommen viel mehr mit, als wir denken“, sagt Stationsleiter Axel Ophüls. Sein Team spricht deshalb freundlich mit den Patienten.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 03/2012

Auf Leben und Tod

Im St. Franziskus ist die neue Intensivstation in Betrieb genommen

Patienten der Intensivstation sind schwerstkrank, auf der Grenze zwischen Leben und Tod. Wer hier arbeitet, ist besonderen Belastungen ausgesetzt: verunsicherte und trauernde Angehörige, Kranke, die ihren Willen nicht selbst äußern können – und immer wieder ist der Tod zu Gast.

Dazu muss die Station fast rund um die Uhr voll besetzt sein, um eventuelle Notfälle abzudecken. Trotzdem herrscht eine positive Atmosphäre. Ein Besuch auf der Intensivstation.

 Die Sonnenstrahlen fallen durch die großen Fenster in die Zimmer und malen helle Streifen auf den Fußboden. An einem Bett sitzt eine junge Frau und hält einer anderen die Hand. Im Zimmer nebenan wechselt eine Krankenschwester gerade den Behälter mit der Elektrolytlösung. Sie lächelt dabei und spricht ein paar freundliche Worte mit der Patientin. Die hat die Augen geschlossen, sie ist nicht bei Bewusstsein. An der Stationszentrale im Flur wird leise über einen Scherz gelacht.

Wer eine dunkle, enge, hektische Atmosphäre erwartet hat, wird in der neuen Intensivstation des Krankenhauses St. Franziskus angenehm überrascht. „Auch Patienten, die im Koma liegen, bekommen viel mehr mit, als wir denken“, ist Stationsleiter Axel Ophüls überzeugt. „Deshalb ist es hier wichtig, dass alle darauf achten, wie und was sie bei den Patienten reden.“ Die Pfelgekräfte sprechen mit den Patienten, weil sie die Zuwendung spüren. „Auf der Intensivstation hat man die Besonderheit, dass die Patienten sich in der Regel nicht äußern können, wenn irgendetwas ist“, sagt der 50-Jährige. „Das bedeutet, dass die Mitarbeiter eine Gespür dafür entwickeln müssen.“ Das erfordert neben der Bereitschaft, sich auf Menschen einzulassen, auch die Fähigkeit gleichzeitig mitzufühlen, ohne die professionelle Distanz zu verlieren.

In der neuen Intensivstation der St.-Franziskus-Klinik werden insgesamt vier Stationen aus drei Krankenhäusern zusammengeführt: die kardiologisch-internistische Intensivstation des St. Franziskus, die neurologische Station und die Stroke-Unit (Schlaganfall-Patienten), die bisher im Maria Hilf untergebracht waren, sowie die internistische und pneumologische Abteilung aus dem Krankenhaus St. Kamillus. „Die operative Intensivstation im Maria Hilf wird an ihrem alten Standort bleiben“, sagt Ophüls.

Über 100 Mitarbeiter aus drei Krankenhäusern müssen am neuen Standort zu einem eingespielten Team zusammenwachsen. Auch wenn jedem der vier Flügel ein festes Team zugeteilt ist, muss gewährt sein, dass bei Personalausfällen schnell Ersatz einspringen kann. „Den müssen wir aus unserem eigenen Pflegeteam selbst stellen“, sagt Ophüls. Das erfordert nicht nur eine hohe Einsatz- bereitschaft der Mitarbeiter: Sie müssen sich auch jenseits ihres Stammteams schnell in die anderen Arbeitsteams integrieren können. Hilfreich sind da die Sozialräume, die jeweils zwischen zwei Stationen liegen, und in denen sich die Mitarbeiter zu einem Kaffee treffen.

Maximal vier Patienten betreut eine Pflegekraft. Um die Flexibilität innerhalb des Teams zu erhöhen, ohne die Mitarbeiter zusätzlich zu belasten, werden die Pflegekräfte auch in den anderen Teams eingesetzt. So sind langfristig Wechsel möglich, ohne dass wertvolles Know-How brach liegt. Fast alle Pflegekräfte haben eine Fachweiterbildung zur Anästhesie- und Intensivmedizin absolviert. Während der zweijährigen Zusatzausbildung durchlaufen die Mitarbeiter alle Bereiche der Intensivstation. „Bei einem Drei-Schicht-Betrieb, der 365 Tage im Jahr jeweils 24 Stunden nahezu voll besetzt sein muss, ist es so möglich, den Mitarbeitern eine größtmögliche Planungssicherheit zu geben“, sagt Ophüls. Denn auch bei Personalausfällen müssen sich die diensthabenden Kollegen blind auf einander verlassen können.

Eine erste Bewährungsprobe der Zusammenarbeit haben Ärzte und Pflegepersonal bereits beim Umzug der Patienten absolviert. „Für einen Patienten der Intensivstation ist so ein Umzug Stress“, weiß Ophüls. Während der Fahrt im Krankenwagen wurde der Patient von einem Arzt und zwei Pflegekräften betreut. „Hier im Haus wurden sie dann von einem zweiten Team empfangen“, berichtet Ophüls. „Und erst wenn ein Patient sicher hier angekommen ist, wurde der nächste geholt.“ Der erste Umzug hat gut geklappt, zum Monatsende steht nochmals ein Umzug an, wenn die Patienten aus dem Krankenhaus St. Kamillus ins St. Franziskus gebracht werden. Gerade wird der vierte Flügel von Mitarbeitern des Versorgungszentrums eingerichtet.

 

Die psychischen Belastungen für die Mitarbeiter sind enorm

Auch wenn den Besucher eine freundlich-heitere Stimmung empfängt: Die psychischen Belastungen für das Pflege- personal sind enorm. „Es gibt immer wieder Situationen, in denen einem das Schicksal eines Patienten besonders nahegeht“, weiß Ophüls aus 25-jähriger Erfahrung. Bei jungen Menschen oder wenn der Kranke an die eigene Lebenssituation erinnert zum Beispiel. Dabei ist nicht nur ein guter Rückhalt unter Kollegen eine große Hilfe. Pflegekräften wie Ärzten stehen Krankenhausseelsorger zur Seite, die bei Bedarf auch die Angehörigen der Patienten betreuen.

 

 


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 20.01.2012

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