Kirche in der Region Mönchengladbach
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Kirchliche Verbände kritisieren das Land bei der Pflegeausbildung

Für die Ausbildung der Krankenpfleger gibt das Land 540 Euro pro Ausbildungsplatz pro Monat.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 13/2014

Altenpflege-Ausbildung gefährdet

Ausbildungsträger wehren sich: Das Land Nordrhein-Westfalen stiehlt sich aus der Verantwortung

Die KBS, Akademie für Gesundheitsberufe in Mönchengladbach, schlägt Alarm: Weil das Land Nordrhein-Westfalen die finanziellen Mittel zur Ausbildung der Altenpfleger in den vergangenen Jahren kontinuierlich gekürzt hat, kann sie nicht mehr kostendeckend durchgeführt werden.

Für die im Herbst beginnenden Kurse hat die KBS erstmals den Einrichtungen einen Beitrag in Rechnung gestellt. Das leichte Vibrieren in der Stimme, die angespannte Körperhaltung: Thomas Kutschke ist aufgeregt. Der Geschäftsführer der KBS in Mönchengladbach legt die Zahlen dar, die zeigen, wie es um die Finanzierung der Altenpflegeausbildung steht. „Ich habe noch nie eine Demo organisiert“, sagt der Leiter der KBS abschließend. Aber jetzt wird er diese neue Erfahrung machen. Die Akademie für Gesundheitsberufe ruft andere Ausbildungseinrichtungen und Träger der Altenpflegeheime dazu auf, sich an die Landesregierung zu wenden und zu protestieren. 80 Euro fehlen in der Altenpflege-Ausbildung pro Schüler pro Monat. „Seit den 90er Jahren hat das Land NRW den Beitrag für die Schulkosten von ursprünglich 360 Euro pro Schulplatz und Monat auf inzwischen 280 Euro gesenkt“, sagt Thomas Kutschke, Geschäftsführer der Akademie für Gesundheitsberufe am St. Kamillus (KBS). Gleichzeitig seien in dieser Zeit Betriebs- und Personalkosten stetig gestiegen.

Mit dem Beitrag können die Kosten nicht mehr gedeckt werden. Um die Finanzierungslücke nun zu schließen, hat die KBS erstmals die Träger der Altenheime zur Kasse gebeten. „Wir wissen, dass wir damit die Falschen treffen“, sagt Kutschke. „Ausbildung ist Ländersache. Das Land stiehlt sich hier aus der Verantwortung.“ Bei der Finanzierung der Altenpflegeausbildung ist NRW bundesweit das Schlusslicht. „Selbst in den neuen Bundesländern werden höhere Beiträge gezahlt“, sagt Kutschke. Im Schnitt wird bundesweit 325 Euro im Monat pro Schüler an die Schulen für die Ausbildung überwiesen. Auch beim Personalschlüssel wird die Altenpflegeausbildung vom Land vernachlässigt: Entscheidet sich der Schüler für eine Ausbildung im Handwerk, so kann er in der Berufsschule damit rechnen, dass ein Lehrer pro 15 Schüler finanziert wird. „Bei Krankenpflegeschulen ist es schon nur eine Lehrkraft pro 25 Schüler“, zeigt Kutschke auf. In der Altenpflege-Ausbildung ist es noch schlimmer: Da wird eine Lehrkraft für 56 Schüler finanziert. „In keinem anderen Ausbildungsberuf muss der Ausbildungsbetrieb die Schulkosten zahlen“, sagt Kutschke. Bei aller Not hat er Verständnis dafür, wenn Träger der Altenheime nicht bereit seien, die Finanzierungslücke zu schließen.

 

Große Demonstration am 12. Mai in Düsseldorf

Das Land hat eine rheinische Lösung für das Problem gefunden: Mit der Kürzung der Beiträge wurden auch die Qualitätsstandards abgesenkt und Kontrollen ausgesetzt. „Im Prinzip könnten wir machen, was wir wollen“, sagt Kutschke. Für ihn und sein Team aber ist das Maß voll. Ändert sich nichts an der Finanzierung der Altenpflege-Ausbildung, wird in Zukunft die Qualität nachlassen – bei steigendem Bedarf an qualifizierten Kräften. Die KBS hat deshalb eine Resolu-tion initiiert, der sich bisher 28 Einrichtungen aus Mönchengladbach, Krefeld, Viersen, dem Kreis Heinsberg und dem Raum Aachen angeschlossen haben. Mit Trägern aus anderen Kommunen werden derzeit Kontakte geknüpft, um ein dichtes Netzwerk aufzubauen. Gefordert wird eine ausreichende Finanzierung der Altenpflege-Ausbildung mit einem Mindestbeitrag von 360 Euro. Um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen, wird für den 12. Mai, den Tag der Pflege, eine große Demonstration vor dem Düsseldorfer Landtag organisiert. Dabei soll auch die Unterschriftenliste zur Resolution an die Verantwortlichen übergeben werden.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 28.03.2014

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