Kirche in der Region Mönchengladbach
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Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen besuchte mit Politikern ein Flüchtlingsheim in Mönchengladbach

Diese Familie lebt in einem Zimmer von knapp 17 Quadratmetern. Einen ruhigen Platz, an dem die Kinder ihre Hausaufgaben machen können, gibt es nicht.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 37/2013

17 Quadratmeter für fünf Personen

Der Diözesanrat der Katholiken lud Politiker in ein Mönchengladbacher Flüchtlingsheim ein

Schlafen auf verschmutzten alten Matratzen, keine richtigen Bettdecken, verstopfte Toiletten und Schimmel an den Wänden: Füchtlinge leben in Deutschland zuweilen unter menschenunwürdigen Bedingungen. Der Diözesanrat der Katholiken lud Bundestagskandidaten in Mönchengladbach zur Ortsbesichtigung ein.

 „Bitte helfen Sie uns. Ich weiß nicht mehr weiter.“ Die Stimme von Emran Sulimanovski klingt verzweifelt. Seit drei Monaten ist der 28-jährige Mazedonier mit seiner Familie in Deutschland. Zu fünft leben sie in einem Zimmer von knapp 17 Quadratmetern. Auf dem Boden liegen zwei dünne Matratzen – das Bett der Familie. Der dunkle Schimmelfleck an der Wand wird von den Matratzen verdeckt. Gleich neben dem Schlaflager stehen Kühlschrank und Herd. Toilette und Waschgelegenheit muss sich die Familie mit 19 anderen Familien teilen.

„Willkommen in Deutschland“ – der Titel, mit dem der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen das Parlamentarische Mittagessen mit den fünf Mönchengladbacher Bundestagskandidaten übertitelt hat, klingt angesichts dieser Verhältnisse zynisch. Das ist so beabsichtigt. Diözesanratsvorsitzende Renate Müller redet sich in Rage, wenn sie über den Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland spricht. „Man geht immer davon aus, dass die Menschen den Sozialstaat ausnutzen wollen“, sagt sie. „Aber bisher ist uns noch keiner begegnet, der nicht viel lieber in seiner Heimat eine Zukunft aufbauen wollte. Aber Krieg, Terror sowie die Folgen des Klimawandels und einer ungerechten Weltwirtschaftsstruktur veranlassen die Leute zu flüchten. Wir alle sind dabei Mit-Player und schotten uns gegen diejenigen, die am meisten darunter zu leiden haben, ab.“ Vier, sechs und sieben Jahre sind Sulimanovskis Kinder alt. „Sie können sich nicht richtig waschen oder morgens in Ruhe die Zähne putzen, bevor sie in die Schule gehen“, berichtet der Vater. Einen Rückzugsort für Hausaufgaben gibt es nicht.

 

Zwei Waschmaschinen für 20 Familien mit Kindern

Die 20 Familien mit kleinen Kindern, die in der dunkelbraunen Baracke in Mönchengladbachs Westen wohnen, teilen sich zwei Haushaltswaschmaschinen. In Zimmern und Fluren steht die feucht-warme Sommerluft. Hier hat die Wäsche keine Chance zu trocknen. Hinter der Baracke ist eine kleine Müllhalde entstanden. Weil die Wege dorthin versperrt sind, kann der Familienvater den Müll nicht selbst wegräumen. „Die Strategie dahinter ist, die Leute abzuschrecken“, sagt Müller. „Es geht nicht darum, sie zu integrieren.“ Dabei gebe es Städte, die anders mit Flüchtlingen umgingen. „In Leverkusen wurden die Baracken abgeschafft und in Aachen gibt es die ,Save me‘-Kampagne.“ Die Kampagne ist ein erster Schritt zu einem humanitären Umgang mit Flüchtlingen.

 

Der Flüchtlingsstatus bestimmt die Chancen

Der Flüchtlingsstatus bestimmt über die Zukunftschancen der Gäste in Deutschland. Wer nur geduldet wird, darf nicht arbeiten und hat damit keine Möglichkeit, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Zudem schwebt ständig das Damoklesschwert der Abschiebung über den Betroffenen. „Einem syrischen Flüchtling wird geholfen, aber ein ma- zedonischer hat keine Chance“, sagt Müller. Auch von den Politikern kommt keine Hilfe. „Man müsste etwas tun“, ist der einhellige Tenor. Es ist Wahlkampf.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 15.09.2013

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