Kirche in der Region Mönchengladbach
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Fotograf und Initator der Ausstellung mit Titelmotiv

Dominique zeigt das Bild von Ferdinand, der zweieinhalb Jahre im Gefängnis war. Hier kommt er zum ersten Mal wieder nach Hause.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 33/2011

„Inzu“ heißt Zuhause

In der Citykirche zeigt Dominique Robin seine Bilder aus Ruanda

Ein Haus bedeutet Sicherheit. Das Dach schützt vor Unwetter, die Wände geben Schutz gegen ungebetene Besucher. Für Kinder ist das Haus ein Nest, in dem Mutter und Vater Schutz bieten.

Aber manche Kinder fallen aus unterschiedlichen Gründen aus dem Nest und leben auf der Straße. Der französische Foto-Künstler Dominque Robin hat in Ruanda Kinder begleitet, die mit Hilfe der katholischen Hilfsorganisation Fidesco ihren Weg in eine neue Existenz suchen.

 

Häuser umgeben von dichten Wiesen, Fenster, die mit ausgefransten Rändern wie Wunden in den Wänden klaffen. Häuser in einer kargen, trockenen Landschaft, ein dürrer Baum vor der Tür. Häuser inmitten einer dichten Flora: So unterschiedlich der Standort des Hauses, so gleich die Funktion. Ein Haus hat in Ruanda eine große Bedeutung: Es ist Sinnbild für Schutz und ein kleines bisschen Wohlstand. In der Sprache Ruandas steht „Inzu“ für Haus. Der französische Fotograf Dominique Robin hat seine Ausstellung in der Citykirche so betitelt.

Zwei Wochen war der Künstler mit der katholischen Hilfsorganisation Fidesco in Ruanda und hat den Alltag im Kinderzentrum Rugamba in Kigale festgehalten. Hier wird Straßenkindern geholfen, wieder in ein Leben zurückzufinden, in dem sie eine Zukunft haben. Auf den Fotos, die an Kupferstangen aufgehängt sind, sieht man Kinder, die Häuser und Tauben auf eine Tafel malen. Ein Junge, der in ein Lehmhaus geht, vor ihm seine Mutter in geblümten Kleid. Die Schuhe, T-Shirt und Hose sind neu, gespendet vom Kinderzentrum. Ferdinand ist 14 Jahre alt, zweieinhalb Jahre war er im Gefängnis – aufgegriffen auf der Straße. Fidesco hat sich dafür eingesetzt, dass der Junge wieder entlassen wurde und zu seiner Familie zurück kam.

Die Bilder werden von Texten begleitet – Zitate aus Interviews mit den Kindern und den Betreuern des Kinderzentrums. Und was sich da offenbart, ist erschütternd. Die Worte der Kinder klingen erwachsen, weil sie auf der Straße schnell erwachsen werden müssen.  Das tägliche Überleben ist kein Spiel – nicht für Erwachsene und schon gar nicht für Kinder. Auch das Kinderzentrum verlangt viel von seinen jungen Klienten. „Unsere Arbeit besteht darin, ihnen dabei zu helfen, die Schritte von sich aus zu tun und das erreichen wir mit viel Geduld, Aufmerksamkeit, sogar Zuneigung“, liest man die Worte von Eli, dem Direktor des Zentrums Rugamba.

 

Ohne Bildung gibt ist für die Kinder keine Zukunft möglich

„Von den Kindern, denen wir helfen, erwarten wir, dass sie die Schule besuchen“, betont Karel Dekempe, Geschäftsführer von Fidesco Deutschland. „Ohne Bildung können haben sie keine Zukunft.“ Fidesco wurde in Frankreich gegründet und zählt dort rund 6000 Mitglieder. In Deutschland hat Fidesco seine Arbeit gerade erst aufgenommen. Hier engagieren sich zur Zeit rund 500 Mitglieder für verschiedene Hilfsprojekte. Zehn Hilfpsprojekte werden derzeit unterstützt. Ärzte, Physiotherapeuthen, Schreiner, Hebammen, Lehrer und Handwerker stellen sich zur Verfügung, um für ein oder zwei Jahre als Volontäre die Projekte vor Ort zu unterstützen. „Zurzeit sind 200 Volontäre in 31 Ländern im Einsatz“, berichtet Dekempe. Die Arbeit wird zum größten Teil durch Spenden finanziert.

Den Kindern wird eine Menge Eigenverantwortung abverlangt. Und so liest man staunend, wie Jean-Bosco mit nur neun Jahren eine wichtige Entscheidung für sein Leben fällt und alles tut, um dieses Ziel zu erreichen. Als Straßenkind beschließt er, zur Schule zu gehen. Das dafür notwendige Schulgeld verdient er sich mit Wasser holen. Für seine Zukunft wird das Kind zum Unternehmer.

Aus ganz unterschiedlichen Gründen sind die Kinder auf der Straße gelandet. Manche sind zu Hause weggelaufen, weil sie mit den täglichen Pflichten überfordert waren. Wie Clément (13), der erzählt, dass die Feldarbeit zu schwer für ihn war. Also ist er weggelaufen. „An einem Tag ging ich fort und am Tag darauf kam ich wieder zurück. Nur um am nächsten Tag wieder weg zu gehen. Es war ein Hin und Her. Eines Tages beschloss ich, nie wieder zurückzukehren“, berichtet er in einem Interview. Andere Kinder verlieren ihre Eltern durch

Krankheit und Tod oder an die Drogen- und Alkoholsucht. Verwandte, die sie aufnehmen könnten, haben sie nicht. Ihnen bleibt nur die Straße.

Die Idee zu dem Kinderzentrum hatte eine Ladenbesitzerin, die von den Kindern regelmäßig bestohlen wurde. Sie entdeckte, mit welch kreativen Ideen die Kinder sie ablenkten, während andere mit angespitzten Drähten Süßkartoffeln klauten. Die Ladenbesitzerin überlegte, wie die Kreativität der Kinder zum Wohle der ruandischen Gesellschaft genutzt werden könnte. Daraufhin wurde ein Haus angemietet, in dem die Kinder versorgt werden, wo sie Ansprechpartner haben und sich und ihre Kleider waschen können. In Gesprächen wird versucht, einen Zugang zu den Kindern zu bekommen und eine Vertrauensbasis aufzubauen. Entscheidet sich ein Kind, die Straße zu verlasssen, lebt es sechs Monate im Kinderzentrum. In dieser Zeit wird mit ihm überlegt, ob es zu seiner Familie zurück will und welche Alternative es für das Kind gibt. Nachdem sie das Zentrum verlassen haben, werden sie alle drei Monate besucht und weiter begleitet.

 

15000 Besucher haben die Ausstellung schon gesehen

Zwei Wochen hat Dominique Robin im Kinderzentrum verbracht. Es war nicht das erste Mal, dass der Fotograf in Ruanda gearbeitet hat. Schon vor fünf Jahren war der Franzose in Ruanda, um die Arbeit von Fidesco zu begleiten. Damals ist die Ausstellung „Ein Gesundheitszentrum“ enstanden, die ebenfalls in der Citykirche gezeigt wird. Auf einem Band von 32 Metern reiht sich Foto an Foto. Jedes zeigt einen kleinen Ausschnitt aus dem Alltag in der Klinik Conakry, das größte Krankenhaus in Guinea. Man sieht Babys, deren Herzfunktion gerade abgehört wird, Mütter mit ihren Kindern im Gespräch mit Ärzten, Kinder bei der Physiotherapie. 90.000 Kranke wrden hier pro Jahr behandelt, 2.500 Geburten finden hier statt.

In der Doppelausstellung präsentiert Dominique Robin rund 60 Fotos. Die Citykirche ist der 16. Ort, an dem die Arbeiten des Fotografen gezeigt werden. Bereits 15000 Besucher in vier Ländern haben die Wanderausstellung besucht.

 

„Inzu“ ist noch bis Sonntag, 4. September, in der Citykirche Alter Markt, täglich von 10 bis 18 Uhr, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

 

www.fidesco-international.org

 


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 12.08.2011

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